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Unternehmenskultur, Softwareentwicklung und Architektur

28. April 2022

Psycho Social Coffee Circle – Wie ein gemeinsamer Austausch bei Alltagssorgen helfen kann

6 Minuten Lesedauer

“Sind Kinder nichts Schönes?“ – “Ja, Kinder sind nichts Schönes!“

Wortspiele wie dieses sind ein Teil unserer Firmenkultur, sie gehören zum Alltag bei pentacor. Der Spaß bei der Arbeit und das gemeinsame Lachen bringen uns als Team näher zusammen und es macht das Bewältigen unserer Aufgaben ein Stückchen einfacher. Solche Wortspiele enthalten aber auch oft das berühmte “Körnchen Wahrheit“. In diesem konkreten Beispiel spiegelt sich wider, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen Eltern sind. Ich selbst bin stolzer Papa von zwei Jungs. Die Mütter und Väter unter uns wissen, welche Herausforderungen mit dem Elternsein verbunden sein können und dass sie oft auch damit zu kämpfen haben.

Photo by Ben Wicks on Unsplash

Was kann uns dabei helfen, solche Herausforderungen zu meistern? Welchen Einfluss hat dabei das berufliche Umfeld? Wie gehen andere mit ihren Herausforderungen um? Kann ich etwas von meinen Kolleginnen und Kollegen lernen?

Die Antworten auf diese Fragen liegen oft nicht auf der Hand. Es ist typischerweise ein Lernprozess, um hier einen guten Weg zu finden, manchmal auch ein sehr mühsamer. Kennst du das auch?

 

Wie alles begann

Als vor einem reichlichen Jahr mit dem “PsychoSocialCoffeeCircle” – kurz “Psycho-Kaffee” – ein neues Meeting ins Leben gerufen wurde, sprach mein Bauch eine klare Sprache: Noch ein weiteres Meeting? Wir haben schon so viele Meetings und ich habe ohnehin keine Zeit.

Von diesem ersten Bauchgefühl war mein sachlicher Blick auf die Intention und Motivation dieses neuen Formates überschattet. Dieses Meeting auf freiwilliger Basis sollte einen Raum geben, um über persönliche Erfahrungen im privaten und beruflichen Umfeld zu berichten und gemeinsam darüber zu diskutieren. Auch Methoden und Vorgehensweisen, die den Alltag erleichtern können, gehören dazu. Das Entscheidende dabei ist, dass die Mitwirkenden nicht auf hypothetischer Ebene sprechen, sondern dass sie die anderen konkret an dem teilhaben lassen, was ihnen in ihrem eigenen (Arbeits-)Leben einen Mehrwert gebracht hat.

Entsprechend meines ersten Eindruckes “schwänzte“ ich folgerichtig die ersten zwei, drei Termine. Und ja, ich hatte mit einer gefühlten hohen Auslastung auch eine gute Ausrede für mich selbst. Aber dann fragte ich mich: Wäre das nicht doch etwas für mich? Das nächste angekündigte Thema klingt eigentlich ganz spannend …

So stand bei meiner ersten Teilnahme am “Psycho-Kaffee” die Vorstellung der Methode „The Work“ von Byron Katie im Mittelpunkt. Chrizzy lud die Teilnehmer ein, mit ihr gemeinsam diesen Prozess anhand eines konkreten Falls aus dem eigenen, persönlichen Umfeld “durchzuspielen“. Sie führte uns anhand ihres Beispiels durch die einzelnen Schritte. Für mich war das eine interessante Erfahrung. So interessant, dass mir klar wurde: Das könnte wertvoll für mich sein. Ich möchte dabei bleiben!

 

Was mich bewegt hat

Umgang mit Konflikten

So richtig packte es mich, als Katja das Thema “Dramadreieck“ vorstellte. Es handelt sich dabei um ein Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, bei dem die Beteiligten eine der Rollen “Opfer“, “Verfolger“ und “Retter“ einnehmen und die Rollenverteilung dynamisch wechseln kann. Dieses Muster liegt oft Konfliktsituationen zugrunde. Das Wissen, dass es diese Rollen gibt, und wie sie sich typischerweise verhalten, macht das Verständnis von konkreten Situationen einfacher und kann beim Umgang mit Konflikten helfen. Katja untermauerte die Theorie mit realen Beispielen aus ihren Erfahrungen im privaten und beruflichen Umfeld und ich sah es immer deutlicher: Hey, das kommt mir verdammt bekannt vor. Vergleichbare Situationen habe ich doch schon oft erlebt. Und auch ich befand mich schon oft in einer der drei Rollen und erlebte, wie schnell ich mich plötzlich in einer anderen Rolle wiederfand.

Ich habe realisiert, dass ich viele in meiner Vergangenheit erlebte Konfliktsituationen auf ein bekanntes Muster abbilden kann. Das Thema von Katja beschäftigte mich im Nachgang so sehr, dass ich mit dem neu gewonnen Wissen mein eigenes Verhalten noch einmal hinterfragt und neu bewertet habe.

Selbst- und Zeitmanagement

Sehr spannend waren für mich Anregungen, wie ich verschiedenste Verpflichtungen, Termine, Hobbys, Wünsche und Weiteres im beruflichen und privaten Umfeld organisatorisch gut “unter einen Hut bringen“ könnte. Hier gaben Chrizzy und Andreas mit ihren Beiträgen einen sehr guten Einblick in ihren Umgang mit dieser Herausforderung.

Wie behält Chrizzy ihre Aufgaben im Griff? Mit einer Kombination aus sehr guter Strukturierung, Priorisierung, Ausbalancierung von beruflichem Anteil und Privatleben, das Ganze auch mit Unterstützung verschiedener Tools und nicht zuletzt viel, viel Disziplin. Das beeindruckte mich. Vor allem weil ich weiß, wie schwer das konsequente Umsetzen des Vorgenommenen über einen langen Zeitraum sein kann.

Und wie organisiert Andreas seine Aufgaben so, dass er sich möglichst nicht “Land unter” fühlt? Auch er hat für sich ein wohl strukturiertes Vorgehen gefunden. Er nutzt ähnliche Ansätze wie Chrizzy und er verwendet ebenso hilfreiche Werkzeuge. Im Detail konnten wir aber neue Anregungen mitnehmen. Zu den Stellschrauben von Andreas gehört auch, bei Bedarf bewusst etwas abzuwählen.

Wie gehst du mit dieser Herausforderung um? Hast du für dich einen guten Weg gefunden?

 

Was ich beitragen konnte

Umgang mit Konflikten

Wir alle machen zwischenmenschliche Erfahrungen, die oft persönlicher nicht sein könnten. In meinem Fall entstand aus einer Verkettung von vielen Einzelkonflikten über die Zeit ein sehr komplexes und gefühlt erschlagendes Gebilde. Am Ende stand die Gewissheit: So kann es nicht weitergehen! Bei den vielen Anstrengungen und Versuchen, die Ursachen der Einzelkonflikte zu verstehen, mich in den anderen hineinzuversetzen, meinen eigenen Anteil am Konflikt zu erkennen sowie immer wieder nach Lösungsansätzen zu suchen und diese umzusetzen, war ich mit vielen Rückschlägen konfrontiert. Ich habe dabei aber sehr viel gelernt, auch über mich selbst.

Der Beitrag von Katja zum “Dramadreieck“ löste in mir das Bedürfnis aus, über meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Konflikten zu berichten. Einen Einblick in diesen sehr privaten Teil meines Lebens zu geben, kostete mich ein ganzes Stück Überwindung. Ich konnte es mir vorher schwer vorstellen, solche Informationen von mir preiszugeben. Der respektvolle und vertrauensvolle Umgang unter interessierten Kolleginnen und Kollegen trug dazu bei, dass ich mich geöffnet habe und über meinen eigenen Schatten gesprungen bin. Es tat mir gut.

Selbst- und Zeitmanagement

Von den oben erwähnten Beiträgen zur Selbstorganisation konnte ich sehr gute Anregungen für mich mitnehmen. Aus meiner jetzigen Perspektive unter dem Einfluss von Frau und Kindern fühle ich allerdings, dass für mich ein vergleichbares Vorgehen schwer umsetzbar wäre. Der Anteil des “Selbstmanagements“ rückt deutlich in den Hintergrund, besonders im privaten Bereich. Wie viel Kontrolle habe ich noch über meine Zeit, wie frei kann ich darüber entscheiden? Wie viel effektiv verfügbare Zeit bleibt mir überhaupt noch? Wie zuverlässig kann ich planen? Wirken vor allem meine Kinder als schwer zu kalkulierende Faktoren? Meine gewonnenen Erkenntnisse zu diesen Fragen motivierten mich, darüber zu sprechen und und meine alternative Sicht mit den anderen zu teilen.

Eine meiner wichtigsten Erfahrungen ist, dass ich im Kontext meiner Familie organisatorische Fragen zwingend abstimmen muss, wenn ich potentielle Konflikte durch fehlendes, gemeinsames Verständnis vermeiden möchte. Und das möchte ich unbedingt. Ich muss allerdings die notwendige Zeit für solche Abstimmungen berücksichtigen und “freischaufeln“. Und mit jedem neuen Familienmitglied wurde der Abstimmungsbedarf größer. Wir haben in meiner Familie mit durch Regeln bestimmten Abläufen gute Erfahrungen gemacht. Zu Routinen gewordene, wiederkehrende Abläufe müssen wir nicht jedes Mal erneut hinterfragen. Der oft auch anstrengende Abstimmungsaufwand entfällt und wir haben mehr Freiraum für anderes.

 

Was wir gewinnen können

Auf mich bezogen kann ich nur sagen: Reden hilft und es tut mir gut. Ich kann meine Erfahrungen, aber auch meine Sorgen und Bedenken mit anderen teilen und ich bekomme wertvolles Feedback zurück. Auf der anderen Seite erhalte ich einen Einblick in die Erfahrungen und Vorgehensweisen meiner Kolleginnen und Kollegen und ich kann daraus gute Anregungen für mich selbst ableiten.

Auf unser pentacor-Team bezogen ist der gemeinsame Austausch für mich vor allem eines: Das Leben unserer Werte, der Werte von pentacor. Der offene und respektvolle Austausch hilft, uns gegenseitig besser kennenzulernen und zu verstehen. Er schafft damit vor allem Vertrauen und stärkt letztlich den Zusammenhalt unseres Teams.

 

Wie wir es weiter leben

Eines unserer Prinzipien bei der pentacor ist sinngemäß: “Nichts ist in Beton gegossen“. Das bedeutet, dass wir als Team bewusst und aktiv auf Veränderungen reagieren und unser Vorgehen und unsere Prozesse an die jeweilige Situation geeignet anpassen. Das Gleiche gilt für unser “Psycho-Kaffee”. Nachdem wir zunächst mit vorbereiteten Beiträgen Einzelner und anschließender Diskussion starteten, haben wir uns jetzt auf mehr Spontanität umgestellt. Wir greifen aktuelle Themen auf, zu denen wir uns austauschen. Oder jemand bringt etwas ein, was ihn gerade bewegt. Vielleicht werden wir demnächst über ein Thema sprechen, bei dem Kinder im Spiel sind. Und dann könnte wieder jemand die Frage stellen:

“Sind Kinder nichts Schönes?“

Für mich kann die Antwort dann nur heißen: Ja, meine Kinder sind für mich etwas sehr Schönes! Das Teilen von Erfahrungen und der offene Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen helfen mir dabei, die Herausforderungen des Papaseins besser zu meistern.

 

Photo by Jelleke Vanooteghem on Unsplash



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